Das Gute an schlechten Zeiten

Vor ein bisschen mehr als 100 Jahren sank die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt im eisigen Atlantik. Die Titanic war damals mit Abstand das größte, modernste, luxuriöseste und vor allem auch sicherste Passagierschiff der Welt. Eine machtvolle Demonstration Menschlicher Fähigkeiten. Es wird erzählt, Rederei Arbeiter hätten vor der Jungfernfahrt in großen Buchstaben No God, No Pope an den Rumpf geschrieben. Niemand, nicht einmal Gott würde dieses Schiff zum sinken bringen.

Sind wir Menschen mit unserem Lebensschiff nicht oft genau so unterwegs? Wir vertrauen auf unsere eigenen Fähigkeiten, haben alles im Griff, sind durchorganisiert, klug und stark. Wir fühlen uns unsinkbar und brauchen daher auch keinen Gott, der uns sagt was gut für uns ist und was nicht. Wir sind unser eigener Chef. No God, no Pope.

Doch wie wir wissen, war die Titanic nicht unsinkbar. Am 14. April 1912 kollidierte sie völlig unerwartet mit einem Eisberg und riss zweieinhalb Stunden später mehr als 1500 Menschen in die Tiefen des dunklen Atlantiks.

Das ist etwas, dass wir stolzen, fähigen Menschen uns immer wieder vor Augen rufen müssen: wir sind nicht unsinkbar. Es ist eben nicht so, dass wir einfach alles immer im Griff haben und keinen Gott brauchen. Ein Sprichwort aus der Bibel sagt: Wer glaubt, dass er steht, sehe das er nicht falle. Lebensstürme können vom einen Moment auf den Nächsten über uns hereinbrechen.

Doch bei all dem Leiden und dem Schweren bringen diese Lebensstürme doch etwas Gutes mit sich: Sie ziehen uns näher zu Gott.

Die Legende erzählt, dass die Schiffskapelle auf der Titanic bis zum letzten Moment weiterspielte. Das letzte Lied, das gespielt wurde, unmittelbar bevor die Titanic in zwei Teile zerbrach, war: „Näher mein Gott zu dir.“

Oft fangen wir Menschen genau in diesen Momenten, in diesen lebensstürmen an, nach der Nähe Gottes zu suchen. Wir fangen an zu realisieren, dass wir eben doch nicht unsterblich sind. Unser Stolz, der uns von Gott wegzieht, ist plötzlich weg und wir fangen an, echt nach Gott zu fragen und seine Nähe zu suchen.

Und Gott lässt sich finden, wenn wir in dieser demütigen Haltung nach ihm rufen. In Psalm 50 sagt Gott:

Vielleicht steckst du selbst gerade jetzt in solchen Tagen der Not, solchen Lebensstürmen. Es ist, als wäre der Boden unter deinen Füssen weggezogen worden – alles, worauf du bisher vertraut hast, hat sich als zerbrechlich erwiesen. Dann rufe zu dem Gott, der dein Leben auf festen Boden stellen kann. Du bist nicht alleine in diesem Universum. Du bist nicht auf dich selbst gestellt. Es gibt einen, der dich geschaffen hat, der dich kennt und dich liebt. Unser Gott kann und möchte dich durch schwere Zeiten hindurchtragen. Er möchte dich trösten, wenn du traurig bist, dir helfen wo du Hilfe brauchst. Und er möchte deine Seele retten, dir die Himmelstüre aufschließen.

Ich wünsche dir, dass du Gottes Nähe erleben darfst – nicht nur in den schlechten Zeiten, sondern auch dann, wenn es dir gut geht und du das Leben genießen kannst.